Zwischen Humboldt und Klee - Föderale Kulturförderung in Deutschland und der Schweiz

Im Kulturbereich haben die deutschen Bundesländer und Schweizer Kantone viel Gestaltungsfreiraum, denn bei ihnen liegt die Kulturhoheit. Wie unterschiedlich dies in der Praxis aussehen kann, zeigte sich am jüngsten Ber(li)ner Salon, als die Generalsekretärin der deutschen Kulturstiftung der Länder, Isabel Pfeiffer-Poensgen, und Philippe Bischof, Präsident der Konferenz der kantonalen Kulturbeauftragten, im Beisein einer Gruppe deutscher Nachwuchsdiplomaten über die Kulturförderung in Deutschland und der Schweiz berichteten.

   Bild vergrößern (© Botschaft Bern) Die deutsche Kulturstiftung der Länder ist seit 1988 damit beauftragt, deutsche Museen, Bibliotheken und Archive beim Erwerb von national bedeutenden Kunst- und Kulturschätzen – aller Epochen und Sparten –  zu unterstützen. Ergänzungen von Sammlungen sowie Rückerwerbungen von Sammlungsverlusten bilden dabei einen Schwerpunkt der Förderung. Als Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder erzählte Isabel Pfeiffer-Poensgen u.a. von spektakulären Ankaufsförderungen für und in Zusammenarbeit mit Museen, Bibliotheken und Archiven, wie u.a. die Ersteigerung von drei Goldpokalen aus der Sammlung von Yves Saint-Laurent für das Schloss Celle. Auch wenn der öffentlich finanzierten Stiftung jährlich beträchtliche Mittel für Erwerbungsförderungen zur Verfügung stehen: Solch große Ankäufe können nur dank Allianzen mit weiteren Förderern wie Stiftungen und Unternehmen finanziert werden, betonte Pfeiffer-Poensgen. Die Stiftung ist deshalb sehr engagiert (und erfolgreich) in der Drittmittelwerbung und konnte so über die Jahre ihres Bestehens das von den Ländern eingesetzte Budget von rund 170 Mio. vervierfachen.

Mindestens genauso spannend wie der Blick hinter die Kulissen der Museumsankäufe war die Einführung in weitere Tätigkeitsbereiche der Kulturstiftung der Länder. Hierzu zählen u.a. Restaurierungsförderung von Kunstwerken, die Beratung von und Verhandlung für Museen und Kulturinstitutionen, die Provenienzforschung und die Publikation eigener Schriften (u.a. zu den Hintergründen einiger Ankäufe). Mit der Bildungsinitiative Kinder zum Olymp! bringt sie Kindern und Jugendlichen Kultur näher. Außerdem widmet sie sich dem Thema Bestandserhalt von gefährdetem schriftlichem Kulturgut.

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Ganz anders präsentiert sich die Förderlandschaft in der Schweiz, meinte Philippe Bischof von der Konferenz der kantonalen Kulturbeauftragten. Er stellte die Schweizer Kulturpolitik und die Zusammenarbeit der Kulturbeauftragten mit der Städtekonferenz, dem Bundesamt für Kultur und der Stiftung Pro Helvetia vor. Die Kleinteiligkeit der Schweiz sorge für eine große kulturelle Vielfalt und fördere den kulturellen Zusammenhalt, so Bischof, der in Anlehnung an Rousseau von einem "contrat culturel" spricht. Ein besonders aus deutscher Sicht bemerkenswertes Stichwort ist hier die "doppelte Subsidiarität", wonach - im Sinne einer "bottom-up"-Verantwortungsteilung - öffentliche Förderung nur dann geleistet wird, wenn sie nicht auf der nächstunteren Ebene erbracht werden kann und andererseits die Öffentliche Hand Kulturprojekte nur dann fördern darf, wenn keine privaten Mittel (u.a. aus Stiftungen) zur Verfügung stehen. Beeindruckt von diesem Modell zeigte sich nicht nur Frau Pfeiffer-Poensgen, sondern auch die ca. 75 fachlich interessierten Zuhörinnen und Zuhörer. Mit der anschließenden angeregten Diskussionsrunde zu Chancen und Herausforderungen deutscher und schweizerischer Kultur fand ein weiterer Höhepunkt in der Salon-Reihe seinen Abschluss.

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